Campus Handwerk

Bereich

Jahres­rückblick

Das Jahr 2025 hat einmal mehr verdeutlicht, dass die Sicherung von Fachkräften im Handwerk eine zentrale Zukunftsaufgabe für die Region darstellt. Der Campus Handwerk agiert dabei als strategischer Ausbildungspartner im mittleren und südlichen Emsland sowie in der Grafschaft Bentheim und verfolgt das Ziel, Qualifizierung systematisch zu stärken, Übergänge erfolgreich zu gestalten und betriebliche Entwicklung aktiv zu begleiten.

Die Arbeit des Campus setzt entlang der gesamten Bildungskette an: von der frühzeitigen Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler über die Stabilisierung und qualitative Weiterentwicklung von Ausbildungsverhältnissen bis hin zur strukturellen Verankerung von Weiterbildung in kleinen und mittleren Betrieben. Dabei werden individuelle Förderung, unternehmerische Beratung und regionale Strukturentwicklung miteinander verknüpft.

Im Jahr 2025 konnten rund 900 Jugendliche praxisnahe Einblicke in vielfältige Berufsfelder erhalten. Internationale Mobilitätsangebote erweiterten fachliche und persönliche Horizonte, Integrationsprojekte erschlossen zusätzliche Potenziale für das Handwerk, und intensive Coachingangebote unterstützten Menschen mit komplexen Ausgangslagen nachhaltig. Parallel dazu wurden Betriebe bei der Entwicklung ihrer Weiterbildungskultur und der Nutzung digitaler Instrumente, insbesondere im Bereich KI-gestützter Marketingprozesse, begleitet.

Die hier dargestellten Projekte und Maßnahmen bilden keine isolierten Einzelaktivitäten, sondern sind Teil einer strategischen Gesamtarchitektur. Der Campus Handwerk fungiert als koordinierende Schnittstelle zwischen Schulen, Betrieben, Kammern, Arbeitsverwaltung, Politik und Fördermittelgebern. Ressourcen werden gebündelt, bedarfsgerechte Angebote entwickelt und belastbare Strukturen für die Fachkräftesicherung in der Region geschaffen.

Gerade in Zeiten demografischer Veränderungen, wachsender Qualifikationsanforderungen und zunehmender Digitalisierungsdynamik zeigt sich, wie entscheidend strukturierte Partnerschaften sind. Nachhaltige Fachkräftesicherung gelingt dann, wenn strategische Ausrichtung, operative Umsetzung und regionale Vernetzung konsequent zusammengedacht werden – ein Ansatz, der die Arbeit des Campus Handwerk auch im Jahr 2025 geprägt hat.

Drehpunkt 4usbildung

Das Projekt „Drehpunkt 4usbildung“ ist am 01.03.2025 am Campus Handwerk in die 4. Förderphase gestartet. Die einzelnen Projektdurchgänge setzten jeweils unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte. Aktuell liegt der Fokus auf der Entwicklung und Umsetzung zielgerichteter Bildungsangebote für Auszubildende. Ziel ist es, diese sowohl in ihrer beruflichen als auch in ihrer persönlichen Entwicklung nachhaltig zu stärken und ihnen einen erfolgreichen Übergang in qualifizierte Beschäftigung zu ermöglichen.

Die zentralen Handlungsfelder umfassen:

• Fort- und Weiterbildung
• Auslandspraktika
• Gesundheitsförderung

Seit Projektbeginn wurden vielfältige Marketingmaßnahmen umgesetzt. Über Social-Media-Kanäle sowie den hauseigenen Newsletter wurden Betriebe und Auszubildende kontinuierlich informiert. Darüber hinaus präsentierten die Projektmitarbeitenden die Inhalte mehrfach im Rahmen von Innungsversammlungen. Begleitende Informationsmaterialien - darunter Präsentationsfolien, Informationsflyer, Plakate und digitale Infoscreens - ergänzten die Öffentlichkeitsarbeit. Artikel in den regionalen Ausbildungsbeilagen „Emsblick“ und „MEMA“ sorgten zusätzlich für eine hohe Reichweite.

Fort- und Weiterbildung
Im Jahr 2025 wurden im Rahmen des Projekts verschiedene Bildungsangebote für Auszubildende über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) gefördert. Hierzu zählen insbesondere Prüfungsvorbereitungskurse, Grundlagenlehrgänge sowie Telefontrainings. Diese Fördermöglichkeit wird auch im weiteren Projektverlauf fortgeführt, um eine nachhaltige Qualifizierungsstruktur zu sichern.

Auslandspraktika
Da am Campus Handwerk mehrere Projektteams das Thema Auslandspraktika bearbeiten, fand zu Beginn ein gemeinsames Kick-off-Meeting zur strategischen Abstimmung statt.Das Projektteam entwickelte verschiedene Informationsmaterialien, darunter mehrere Länder-Flyer für Auszubildende sowie ein digitales Padlet mit vertiefenden Informationen zu ausgewählten Zielländern. Diese Materialien kamen im Rahmen mehrerer Vorbereitungstreffen in enger Zusammenarbeit mit dem Projektteam von „Berufsbildung ohne Grenzen“ zum Einsatz.

Gesundheitsförderung
Im Bereich Gesundheitsförderung entwickelte das Projektteam unter Nutzung KI-gestützter Anwendungen den Avatar „Nia“ sowie ein begleitendes digitales Informationsangebot. Die ersten beiden Gesundheitstipps zu den Themen „Prüfungsangst und Prüfungsstress“ sowie „Resilienz und Wohlbefinden“ wurden im Herbst und Winter 2025 über verschiedene Kommunikationskanäle veröffentlicht, darunter Newsletter, E-Mail-Verteiler, Social Media sowie Aushänge mit QR-Codes an den Campus-Standorten.

Ausblick 2026:
Im Jahr 2026 folgen weitere Themenschwerpunkte zu „Bewegung und Aktivität“ sowie „Ernährung und Brainfood“. Bis zum Projektende im Februar 2027 wird darüber hinaus ein praxisorientierter Gesundheitsleitfaden für Ausbildungsbetriebe erarbeitet.

Padlet-Links
Auslandspraktikum | Reisetipps während des Auslandsaufenthalts
Nia | Kostenlose Gesundheitstipps für Auszubildende

BoG – Berufs­bildung ohne Grenzen

Unternehmen erkennen Auslandspraktika zunehmend als strategisches Instrument zur Stärkung ihrer Ausbildungsqualität und zur langfristigen Bindung junger Fachkräfte. Internationale Praxiserfahrungen fördern interkulturelle Kompetenzen, Selbstständigkeit und fachliche Weiterentwicklung der Teilnehmenden. Gleichzeitig schärfen Betriebe ihr Profil als moderne und attraktive Ausbildungsunternehmen.

Dank Förderprogrammen wie Erasmus+ konnten auch 2025 zahlreiche Auszubildende und junge Fachkräfte Auslandserfahrungen sammeln.

Im Jahr 2025 unterstützte das Projektteam von „Berufsbildung ohne Grenzen“ Auszubildende, junge Fachkräfte und Betriebe bei der Organisation und Durchführung von Praktika in Irland, England, Süditalien, Malta, Österreich, Portugal und Spanien. Malta verzeichnete erneut eine besonders hohe Nachfrage. Besonders gefragt waren vierwöchige Gruppenaufenthalte. Darüber hinaus nahm die Zahl individuell organisierter Auslandspraktika junger Fachkräfte spürbar zu.

Die hohe Nachfrage ist unter anderem auf positive Erfahrungsberichte ehemaliger Teilnehmender sowie auf das gewachsene Vertrauen der beteiligten Betriebe zurückzuführen.

Im Rahmen der Gruppenaufenthalte organisiert das Projektteam Flüge und Versicherungsschutz. Auch bei Individualaufenthalten ist eine entsprechende Unterstützung möglich. Die Unterbringung erfolgt bei Gruppenreisen in der Regel in räumlicher Nähe der Teilnehmenden. Vor- und Nachbereitungstreffen dienen der strukturierten Reflexion und nachhaltigen Sicherung der Lernergebnisse.

Für 2026 sind Gruppenreisen nach Malta, Portugal und Schweden geplant. In Portugal können Praktika sowohl im Norden als auch im Süden des Landes absolviert werden. Darüber hinaus sind – vorbehaltlich der Vorgaben des Auswärtigen Amtes – individuelle Praktika unter anderem in Irland und Vicenza sowie in weiteren Ländern möglich.Die Rückmeldung einer jungen Fachkraft verdeutlicht die Wirkung des Programms:

„Nach meiner Gesellenprüfung fiel es mir schwer, meine beruflichen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Das Praktikum in Portugal hat mir gezeigt, dass ich mein Können unterschätzt hatte und gleichzeitig weiterhin Entwicklungspotenzial besitze.“

Seit 2020 wird die Initiative durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Padlet-Links
Auslandspraktikum | Als Azubi die Welt entdecken

Kompetenz­kultur Mittelstand - Weiter­bildung neu gedacht

Im Jahr 2025 setzte das Projekt seine Arbeit planmäßig in allen vorgesehenen Handlungsfeldern fort. Die Zielgruppenanalyse begann im Februar 2025. Das individuelle Coaching wurde im Jahresverlauf kontinuierlich ausgebaut. Parallel dazu intensivierte sich die Unternehmensberatung deutlich. Die Nachfrage nach Beratungsleistungen stieg signifikant an.

Im April 2025 begann die strukturierte Begleitung von Veränderungsprozessen in beteiligten Unternehmen.

Maßnahmen 2025

• Zwei öffentliche Fachveranstaltungen („Neunzig Minuten plus Nachspielzeit“)
• Vier thematische Workshops zu Kommunikationskultur, Mitarbeiterbindung, Qualifikation und Weiterbildung sowie Ressourcen- und Zeitmanagement
• Systematische Bedarfsanalyse mithilfe eines strukturierten Leitfadens• Einsatz eines „Unternehmensbaums“ zur Visualisierung betrieblicher Entwicklungspotenziale
• Enge Zusammenarbeit mit dem regionalen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit
• Fachvorträge bei fünf Innungsversammlungen

Besonders intensiv wurden mittelständische und größere Betriebe der Region begleitet.

Für Januar 2026 wurde ein spezifisches Workshopkonzept für zwei Abteilungen der Boll Logistik GmbH & Co. KG entwickelt und gemeinsam mit deren Personalabteilung abgestimmt und umgesetzt.

Weiterentwicklung 2026

• Weiterer Ausbau individueller Coachings
• Vertiefende Workshops zu Kommunikationskultur, Mitarbeiterbindung, Lernmethoden und Ressourcennutzung
• Intensivierung regionaler Netzwerkkooperationen

IFHa - Integrations­projekt Fachkräfte für das Handwerk

Das Integrationsprojekt Fachkräfte für das Handwerk (IFHa) bringt Handwerksbetriebe und zugewanderte Menschen gezielt zusammen.

Im Jahr 2025 wurden Zugewanderte und Geflüchtete aus 21 Nationen über berufliche Perspektiven im Handwerk informiert und in Praktika, Ausbildung oder Beschäftigung vermittelt. Neben Erstberatung umfasst das Angebot auch Unterstützung bei Bewerbungsunterlagen, sprachlicher Kompetenzfeststellung sowie individueller Förderung.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Beratung von Betrieben bei der Beschäftigung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte.

Das Projekt wird gemeinschaftlich von den niedersächsischen Handwerkskammern getragen und durch das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen im Rahmen der Fachkräfteinitiative Niedersachsen gefördert.

Berufs­orientierungs­programm 2025

Das Berufsorientierungsprogramm des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) unterstützt Jugendliche frühzeitig bei der Reflexion ihrer Interessen, Fähigkeiten und beruflichen Perspektiven. Ziel ist es, durch praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder realistische Vorstellungen der Arbeitswelt zu vermitteln und fundierte Entscheidungen für Ausbildung oder weiterführende Bildungswege zu ermöglichen.

Im Jahr 2025 nahmen rund 900 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8 aus 14 Schulen im Emsland und der Grafschaft Bentheim teil. Das Programm gliederte sich in zwei aufeinander abgestimmte Module: eine eintägige Potenzialanalyse, in der persönliche Stärken sowie berufsrelevante Kompetenzen exploriert wurden, und die anschließenden Berufsorientierungstage (BO-Tage), in denen die Teilnehmenden die Möglichkeit hatten, fünf individuell gewählte Berufsfelder praktisch kennenzulernen.

Die Umsetzung erfolgte in Kooperation mit etwa 30 fachlich qualifizierten Anleitenden und bewährten Partnern wie der Reholand GmbH, der Marienhausschule Meppen und der VHS Meppen. An den Standorten Meppen, Lingen und Nordhorn wurden insgesamt 21 verschiedene Berufsfelder angeboten – darunter technische, handwerkliche, kaufmännische, kreative sowie soziale Berufe. Die Kombination aus breiter Auswahl und individueller Schwerpunktsetzung ermöglichte es den Jugendlichen, praxisnahe Erfahrungen in ihren Interessensbereichen zu sammeln.

Abschließend wurden individuelle Reflexionsgespräche durchgeführt, um die Erfahrungen einzuordnen, Interessen zu konkretisieren und weitere Schritte der Berufsorientierung zu planen. Alle Teilnehmenden erhielten ein persönliches Zertifikat als Bestätigung ihrer Teilnahme.

Ab dem kommenden Durchführungsjahr wird die Potenzialanalyse in Eigenverantwortung der Schulen erfolgen, während der Fokus weiterhin auf den praxisorientierten BO-Tagen liegt, die wertvolle Einblicke in die berufliche Vielfalt eröffnen und die Orientierung junger Menschen nachhaltig fördern.

Smartes Handwerk | KI-gestütztes Social-Media-Marketing

Zum Jahresbeginn 2025 startete das Projekt „Smartes Handwerk | KI-gestütztes Social-Media-Marketing“ in der Zukunftsregion Ems-Vechte.

Ziel ist es, insbesondere kleine und Kleinstbetriebe des Handwerks beim Einstieg in KI-gestützte Marketingprozesse zu unterstützen.

Das erste Projektjahr stand im Zeichen von Aufbau, Vernetzung und Sensibilisierung.

Wesentliche Meilensteine:
• Regionale Informations- und Innungsveranstaltungen
• Aufbau der Informationsplattform www.smartes-handwerk.ai (Launch: März 2025)
• Regelmäßiger Projektnewsletter
• Offizielle Projektübergabe im Mai 2025 durch Landrat Marc-André Burgdorf und Nikolaus Jansen
• Fachartikel in der Zeitschrift „Emsblick“
• Konzeption einer KI-Anwendung zur Social-Media-Strategieentwicklung im Chat-Format (Umsetzung 2026)
• Durchführung erster Online-Webinare zum Jahresende

Das Jahr 2025 bildete somit die strukturelle Grundlage für die inhaltliche Vertiefung in den Folgejahren.

Talent­schmiede – Job Fit

Die Maßnahme „Talentschmiede - Job Fit“ dient der Aktivierung und beruflichen Eingliederung im Rahmen eines mobilen Einzelcoachings. Menschen mit unterschiedlichen Ausgangslagen werden im Zuge dessen individuell begleitet, um gemeinsam nachhaltige berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Im Jahr 2025 wurden 70 Teilnehmende begleitet. Die geringere Durchlaufzahl gegenüber Vorjahren resultiert aus einer veränderten Zielgruppenstruktur. Zunehmend werden Personen mit psychischen Belastungen begleitet, die eine besonders intensive und langfristige Unterstützung benötigen.

Der Schwerpunkt liegt daher zunächst auf Stabilisierung, Strukturentwicklung, Förderung der Selbstwirksamkeit und Entwicklung realistischer beruflicher Perspektiven.

Personell wurde die Maßnahme nach dem Eintritt von Frau Schmidt in den Ruhestand durch Herrn Jansen übernommen. Die Einarbeitung verlief erfolgreich; die Maßnahme wird fachlich fundiert fortgeführt.

Talentschmiede - Job Fit steht auch 2025 für individuelle Förderung, nachhaltige Integration und professionelle Beziehungsarbeit.

Weiter­bildungs­mentoring Emsland - Grafschaft Bentheim

Das Projekt „Weiterbildungsmentoring Emsland - Grafschaft Bentheim“ verfolgt das Ziel, die Weiterbildungsbeteiligung geringqualifizierter Beschäftigter zu erhöhen und eine nachhaltige Weiterbildungskultur in Handwerks- und KMU-Betrieben zu etablieren.

Campus Handwerk qualifiziert 30 betriebliche Mentorinnen und Mentoren in rund 20 Betrieben. Ergänzend werden überbetriebliche Mentoren eingesetzt, um ressourcenschwache Unternehmen zu unterstützen.

Seit Projektstart am 01.12.2025 wurden erste Unternehmen sensibilisiert.

Das Projekt stärkt die Fachkräftesicherung im Handwerk und etabliert erstmals eine systematische Rolle für Weiterbildung im betrieblichen Alltag. Perspektivisch sollen Kreishandwerkerschaften und Innungen die Verstetigung begleiten und eine dauerhafte regionale Struktur sichern.