
Mit 2.394 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen stabilisieren sich die Ausbildungszahlen im Osnabrücker, emsländischen und Grafschafter Handwerk weiterhin auf einem sehr hohen Level. Die Eingänge in der Lehrlingsrolle bewegen sich annähernd auf Vorjahresniveau und weisen einen minimalen Rückgang von 11 Verträgen bzw. -0,5 Prozent auf. Diese Entwicklung zeigt eine bemerkenswerte Stabilität und spricht für die hervorragenden Perspektiven, die unser Wirtschaftszweig bietet. Über alle Lehrjahre hinweg wurden zum Stichtag 31. Dezember 2025 insgesamt 6.191 Lehrlinge im regionalen Handwerk ausgebildet.
Die Entwicklung in den Landkreisen des Kammerbezirks verlief unterschiedlich, blieb in der Summe jedoch stabil. Im Emsland wurden 930 neue Auszubildende registriert, im Vorjahr waren es 951. In der Grafschaft Bentheim stieg die Zahl der Neuverträge deutlich auf 291 (2024: 269). In der Region Osnabrück (Stadt & Landkreis) gingen die Neuverträge auf 1.173 zurück (2024: 1.185).
Der nach der Zahl der Lehrverträge beliebteste Ausbildungsberuf ist der des Kraftfahrzeugmechatronikers. 343 Personen haben 2025 eine Ausbildung in diesem Beruf begonnen. Es folgen die Ausbildungsberufe zum Elektroniker (278), Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (226) sowie zum Tischler (164), Metallbauer (114) und Maurer (98).
Im Bereich der Gesellenprüfungen wurden im Berichtsjahr 1.828 Prüfungen abgelegt, 1.542 Prüfungen als bestanden gewertet. Damit betrug die Bestehensquote im Kammerbezirk 84,4 Prozent.
Die nach wie vor hohe Ausbildungsbereitschaft im Kammerbezirk belegt, dass die Betriebe weiter konsequent in ihren eigenen Nachwuchs investieren. Umso wichtiger ist es, weiterhin gemeinsam mit allen Akteuren flexible und innovative Wege zu gehen, um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern und die Fachkräftesicherung in unserer Region langfristig zu sichern. Mit Beratungsangeboten, Angeboten zur Berufsorientierung und Kooperationen mit kommunalen Organisationen trägt die Handwerkskammer dazu bei.
Bemerkenswert ist der steigende Anteil von Jugendlichen mit (Fach-)Abitur, der inzwischen 16,4 Prozent erreicht hat. Das Handwerk spricht damit zunehmend auch höher qualifizierte Schulabgängerinnen und -abgänger an.
Die Neigung zum Studium ist nach wie vor hoch, aber wir stellen fest, dass gerade vor dem Hintergrund zunehmend digital geprägter Lebenswelten das praktische Tun an Bedeutung gewinnt.
Dennoch bleibt die Frage, wie der Inflation von Studiengängen begegnet werden kann. Es scheint auch aus Sicht der Studenten ungerecht zu sein, wenn Massen-Studiengänge betrieben werden, welche später keine oder nur begrenzte Anstellungsmöglichkeiten bieten. Es ist ein Trugschluss, wenn man glaubt, dass Bildung allein für gute Leistungen im späteren Beruf ausreicht. Es braucht auch Talent und Fähigkeiten. Erst wenn Bildung auf Fähigkeit und Motivation trifft, kann daraus auch Exzellenz werden und genau diese Verbindung ist Teil der Handwerks-DNA.
Auszubildende geben einen authentischen Einblick in ihren Beruf und unterstützen somit Jugendliche bei ihrer Entscheidung, welchen Weg sie für die Zukunft einschlagen können. Sie berichten von ihren Erfahrungen hinsichtlich der Entscheidung für die Ausbildung, die Bewerbung, das Vorstellungsgespräch, die ersten Tage im Betrieb. Zudem berichten sie, worauf es in der Berufsschule ankommt. Sie sind den Schülerinnen und Schülern nah und gleichzeitig einen großen Schritt voraus.
Für teilnehmende Betriebe sind die Ausbildungsbotschafter ein entscheidendes Puzzlestück im Azubi-Recruiting. Die Betriebe nutzen das Potenzial der eigenen Auszubildenden, die ihre Begeisterung und ihr Wissen an Schülerinnen und Schüler weitergeben. Auszubildende als „Insider“ können ihre Erfahrungen glaubwürdig und auf Augenhöhe an Schülerinnen und Schüler vermitteln und somit authentisch für das eigene Unternehmen als potenzieller Ausbildungsbetrieb werben.
Die Ausbildungsbotschafter sind ein gemeinsames Projekt von Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, welches sich auf die Region Osnabrück erstreckt. Es wird vom Europäischen Sozialfonds und dem Land Niedersachsen gefördert.
#Erfolgsbegleiter - Berufsorientierung und Fachkräftesicherung in der Grafschaft Bentheim und im Emsland.
Am 1. Januar 2025 ist das Projekt #Erfolgsbegleiter, gefördert durch das Land Niedersachsen und den Europäischen Sozialfonds, gestartet und zielt darauf ab, Schülerinnen und Schülern im Emsland und der Grafschaft Bentheim praxisnahe Einblicke in die duale Ausbildung zu ermöglichen. Damit bekommen nun Schülerinnen und Schüler flächendeckend im gesamten Kammerbezirk, die Chance Berufsorientierung auf eine sehr persönliche Art und Weise und auf Augenhöhe zu erfahren – authentisch und konkret. Herzstück des Projekts sind die Ausbildungs- und Karrierebotschafter: Auszubildende und berufserfahrene Fachkräfte wie Gesellinnen und Gesellen oder Meisterinnen und Meister berichten direkt aus ihrem Alltag. In Schulbesuchen, bei Podiumsdiskussionen, auf Messen sowie in Podcasts und Videos teilen sie ihre Erfahrungen mit und bieten damit Orientierungshilfen für Schülerinnen und Schüler, die vor der Berufswahl stehen.
Gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Osnabrück hat die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim am 27. & 28. Mai 2025 die Berufsorientierungsmesse „Kompass – Finde dein Handwerk“ ausgerichtet.An beiden Tagen wimmelte es nur so von Acht- bis Zehntklässlern aus dem gesamten Landkreis und der Stadt Osnabrück. Die über 2.400 Schülerinnen und Schüler aus 30 Schulen informierten sich an zwei Tagen über Ausbildungen und Karrierewege im Handwerk. 24 Gewerke präsentierten sich auf dem Gelände der Handwerkskammer, wo eine kleine Zeltstadt aufgebaut war.
Die Berufsorientierungsmesse setzt auf den Erlebnischarakter und zeigt den Besucherinnen und Besuchern hautnah, wie vielfältig und abwechslungsreich die verschiedenen Ausbildungsberufe im Handwerk sein können. Dabei konnte an vielen Stationen selbst Hand angelegt werden. Neben erfahrenen Fachkräften hatten die Innungsbetriebe auch ihre eigenen Auszubildenden mitgebracht, die als Botschafter für die einzelnen Berufe dienten.
Im Unterschied zu klassischen Ausbildungsmessen steht bei der „Kompass“ nicht die Vielfalt aller Branchen im Vordergrund, sondern die Tiefe und Erlebbarkeit des Handwerks. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte erhalten so eine konzentrierte und authentische Orientierung zur „Wirtschaftsmacht Handwerk“:
• 100 % Handwerk – keine Vermischung mit Industrie, Verwaltung oder Studium
• Handwerk zum Anfassen und Ausprobieren – praktische Einblicke statt reiner Infostände
• Direkter Zugang zu Ausbildungs- und Praktikumsmöglichkeiten
•E in realistischer Blick hinter die Kulissen von Berufen und Karrierewegen
Jedes Jahr werden die Top-Talente der verschiedenen Handwerke gesucht: 35 junge Macherinnen und Macher der Region Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim haben es geschafft und wurden als Jahrgangsbeste ihres Gewerks ausgezeichnet.
Die jungen Gesellinnen und Gesellen haben wieder einmal bewiesen, im Handwerk braucht es Hand und Verstand, um etwas Neues zu schaffen. Alle zeichnen sich durch ihr großes Geschick, durchdachte Planung und kreative Ideen aus. Mit ihren herausragenden Leistungen haben sich die Kammersiegerinnen und -sieger für den Landeswettbewerb der Deutschen Meisterschaft im Handwerk – German Craft Skills qualifiziert. Dass die Gesellinnen und Gesellen auch dieses Jahr wieder so gute Leistungen in ihrer Ausbildung abgeliefert haben, ist dem Engagement der Betriebe und ihrer Ausbilderinnen und Ausbilder zu verdanken. Aber auch die Berufsschulen haben einen wichtigen Anteil daran, die jungen Menschen fundiert auszubilden. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann diese Spitzenleistung, die wir hier im Wettbewerb sehen, abgerufen werden.
Die Deutsche Meisterschaft im Handwerk ist ein zusammenhängender Wettbewerb. Nach dem Sieg auf Kammerebene können die jungen Handwerkerinnen und Handwerker auf Landes- und dann auf Bundesebene antreten. Die Siegerehrung auf Landesebene fand am 4. November 2025 in Celle statt. Insgesamt freute sich das regionale Handwerk über zehn Landessiege.
Im Berichtsjahr konnten durch die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim 11 Personen, darunter zahlreiche erfolgreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Deutschen Meisterschaft im Handwerk in das Bundesprogramm Weiterbildungsstipendium aufgenommen werden.
Im Weiterbildungsstipendium wurden die Fördersätze ab dem 1. Januar 2025 auf insgesamt bis zu 9.135 Euro (bislang 8.700 Euro), verteilt auf drei Förderjahre, erhöht.
Im Ausland erworbene Berufsabschlüsse und weitergehende berufsbezogene Kompetenzen sind für den Zugang zu einer qualifizierten Berufstätigkeit mehr als hilfreich. Mit dem Anerkennungsverfahren können die mitgebrachten Qualifikationen formal festgestellt werden. Die Anerkennung schafft Transparenz über die vorhandenen Qualifikationen. Bei reglementierten Berufen ist die Anerkennung eine Voraussetzung, um in dem jeweiligen Beruf arbeiten zu können. Doch hinter der Berufsanerkennung stehen nicht nur formale Aspekte:
Das Anerkennungsverfahren bedeutet die Wertschätzung der individuellen Lebensbiografien von Fachkräften.
2012 sind das Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz des Bundes (BQFG) und das Niedersächsische Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (NBQFG) geschaffen worden. Das Bundesgesetz enthält Regelungen zum Anerkennungsverfahren für bundesrechtlich geregelte Berufe, das niedersächsische Gesetz für landesrechtlich geregelte Berufe. Damit besteht ein allgemeiner Rechtsanspruch auf Prüfung der Gleichwertigkeit der ausländischen Berufsqualifikationen zu dem jeweiligen deutschen Referenzberuf.
Die Gesetze bieten ein einheitliches Verfahren mit Fristvorgaben. Sie gelten für reglementierte wie für nicht-reglementierte Berufe. Das Anerkennungsverfahren ist unabhängig von der Staatsangehörigkeit und vom Aufenthaltsstatus. Anträge können auch aus dem Ausland gestellt werden. Für handwerkliche Qualifikationen führt die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim die Gleichwertigkeitsfeststellungen innerhalb ihres Kammerbezirks durch.
Im Berichtszeitraum wurden 51 Bescheide erteilt, fünf über die volle Gleichwertigkeit, 46 über die teilweise Gleichwertigkeit.
Der Meisterbrief ist nicht nur die Basis für Qualität und damit die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Handwerks. Er ist auch das Schlüsselelement für das Funktionieren der beruflichen Bildung. Wir brauchen die hoch qualifizierten Meisterinnen und Meister, damit diese ihr Wissen und Können an den Berufsnachwuchs weitergeben können. Das duale System im Handwerk baut auf dem Dreiklang „Meister/in-Geselle/in-Lehrling“.
Meisterinnen und Meister sind nicht nur hervorragende Fachkräfte in Theorie und Praxis. Sie sind auch ausgebildete Führungskräfte, Unternehmer und Ausbilder – das ist eine universelle fachlich-unternehmerische Fortbildung, die es so kein zweites Mal gibt. Der Meisterbrief steht für Exzellenz und Expertise und ist in Deutschland einem akademischen Bachelor-Abschluss gleichwertig.
Die professionelle Sichtweise, das Wissen und die Fertigkeiten der Meisterinnen und Meister zur Lösung der Herausforderungen unserer Zeit ist enorm wichtig. Die Spezialistinnen und Spezialisten der verschiedenen handwerklichen Fachdisziplinen bilden eine tragende Säule des Fundaments unserer Gesellschaft.
Im Berichtszeitraum haben 326 Handwerkerinnen und Handwerker erfolgreich ihre Meisterprüfungen abgelegt und damit einen Abschluss erworben, der durch die Verknüpfung von theoretischem Wissen und praktischen Fertigkeiten einzigartig ist.
Ihre Prüfungen haben 285 Meisterinnen und Meister, 23 Betriebswirtinnen und Betriebswirte (HwO) und fünf kaufmännische Fachwirtinnen und Fachwirte (HwO) in 2024 vor der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim bestanden. Fast alle kamen zur großen Meisterfeier am 15. Februar 2025 in die OsnabrückHalle. Gemeinsam mit ihren Lebenspartnerinnen und Lebenspartnern sowie ihren Eltern zählten wir fast 1.400 Gäste. Unserer Handwerkselite wurden hier ihre Zeugnisse und Meisterbriefe im Rahmen einer abendfüllenden Gala feierlich überreicht. Anschließend wurde bis spät in die Nacht gefeiert.
Der Meisterbrief ist eine „Premium-Weiterbildung“, nach der nichts mehr kommt außer eine mögliche Selbstständigkeit und große Verantwortung – auch als „Werbeträger für das Handwerk“, wie Kammerpräsident Andreas Nünemann in seiner Festrede betonte. Die Fortbildung zur Handwerksmeisterin bzw. zum Handwerksmeister bleibt die Grundlage für eine nachhaltige Selbstständigkeit.
Im Rahmen einer zweitägigen Festveranstaltung sind 88 Meisterinnen und Meister für ihre außergewöhnliche Lebensleistung mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt worden. Beide Tage standen im Zeichen von Wertschätzung, Tradition und der bleibenden Bedeutung des Meisterbriefs. Wie 1975 gilt auch heute: Das Handwerk darf sich den Herausforderungen nicht verschließen, sondern muss mutig nach vorne gehen. Digitalisierung, Fachkräftesicherung und neue Technologien verlangten Offenheit – doch Werte wie Qualität, Vertrauen und Gemeinschaft, blieben dieselben. Damals wie heute ist der Meisterbrief ein Aushängeschild und ein Garant für die Wirtschaftskraft des Handwerks. Viele der Jubilare haben sich zusätzlich ehrenamtlich in den Gremien der Handwerksorganisationen engagiert und wesentlich dazu beigetragen, dass die Kammer sowie Innungen ihre Aufgaben erfüllen konnten. Kammerpräsident Nünemann würdigte in seiner Ansprache die Lebensleistung der Jubilare: „Sie haben Verantwortung übernommen – für Ihre Betriebe, Ihre Familien und das Handwerk. Dafür gilt Ihnen unser Respekt und unser Dank.“